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Katja Hutter über vernetzte Innovationsarbeit

Aktualisiert: 27. Feb. 2023


Franz Bailom im Gespräch mit Prof. Katja Hutter


Warum alle Abteilungen Ihres Unternehmens zu Innovation Hubs werden und vom Wissen der vielen profitieren sollten


Unternehmen müssen in Zukunft ihre Innovationskraft in sämtlichen Bereichen massiv steigern. Vor dem Hintergrund der technologischen, gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen gehen Studien nicht nur davon aus, dass Unternehmen in fünf Jahren bis zu 50 Prozent ihrer Umsätze mit völlig neuen Produkten, Dienstleistungen oder Geschäftsmodellen realisieren müssen. Sie zeigen auch auf, dass sich ganze Abteilungen völlig neu erfinden müssen. Die Innovationsarbeit lediglich auf eine Abteilung zu beschränken, ist zu wenig. Letzteres wird greifbarer, wenn man der Frage nachgeht, welchen Einfluss künstliche Intelligenz beispielsweise auf die Marketingarbeit der Zukunft haben wird oder welche Schritte sämtliche HR-Abteilungen unternehmen müssen, um in einem sich dramatisch verändernden Arbeitsumfeld richtig aufgestellt zu sein. Fragen, für die es rechtzeitig Antworten zu finden gilt. Es freut mich daher sehr, dass ich die Möglichkeit hatte, mich darüber mit Prof. Katja Hutter auszutauschen.


Katja Hutter ist Professorin für Innovation and Entrepreneurship an der University of Innsbruck School of Management. Zuvor war sie an der Universität Salzburg Vizerektorin für Innovation and Digitalization. Forschungsaufenthalte führten sie unter anderem an die Harvard University, wo sie seit 2013 Visiting Fellow am Laboratory for Innovation Science ist. In ihrer Arbeit untersucht sie, wie Unternehmen ihre Innovationsprozesse öffnen und eine Art modernes und interaktives Innovationsmanagement gestalten. Dabei nimmt sie Anreizsysteme in den Blick. Die sich verändernden Innovationslandschaften und der Wandel zum agilen und digitalen Unternehmen sind Schwerpunkte ihrer aktuellen Forschungsprojekte.


Bei erfolgreichen Unternehmen sind alle Abteilungen auf Innovation ausgerichtet.

Franz Bailom: Katja, vielen Dank, dass du dir Zeit für das Gespräch nimmst! Vielleicht starten wir gleich mit dieser Frage: Wann würdest du Unternehmen bzw. Organisationen als innovativ bezeichnen?


Katja Hutter: Für die Beantwortung dieser Frage hilft es, sich zunächst einmal mit der Frage auseinanderzusetzen, was Topunternehmen aus den unterschiedlichsten Branchen auszeichnet. Was haben beispielsweise Apple, Nike, Microsoft, aber auch viele der Hidden Champions gemeinsam? Die Antwort lautet: Sie sind nicht nur in der Lage, immer wieder innovative Produkte, Prozesse oder Verfahren hervorzubringen. Sie alle zeichnen sich zudem durch ein innovatives Marketing, innovative Vertriebslogiken, eine zukunftsweisende HR-Arbeit und neue Organisationsmodelle aus. Die Kernbotschaft lautet also: ALLE Bereiche eines Unternehmens sind in der Lage, immer wieder mit innovativen Lösungen zum Erfolg des Unternehmens beizutragen. Es ist wichtig, allen Mitarbeitenden die Möglichkeit zu geben, das eigene Unternehmen erfolgreich in die Zukunft zu führen.


Franz Bailom: Woraus resultiert deiner Meinung nach diese Innovationskraft?


Katja Hutter: Viele dieser Unternehmen agieren als Innovationsökosystem. Die Teams und Abteilungen stellen die Knotenpunkte dieses Systems dar, die je nach Themenstellung übergreifend, vernetzt und offen – sowohl nach innen als auch nach außen – zusammenarbeiten. Ziel ist es, auf diese Weise immer wieder die bestmögliche Lösung zu erarbeiten. Meiner Einschätzung nach resultiert genau aus diesem Verständnis die enorme Innovations- und Anpassungsfähigkeit dieser Unternehmen.


Franz Bailom: Wie können sich Unternehmen zu solchen Innovationsökosystemen entwickeln?


Katja Hutter: JEDE Abteilung und JEDES Team sollte das Ziel verfolgen, sich zu einem wirkungsstarken Knoten, also zu einem Innovation Hub, zu entwickeln, an dem vielfältige Ideen, die neuesten Technologien und heterogene Akteure zusammenkommen. Dadurch entsteht die Voraussetzung, um gemeinsam schnell und agil an innovativen Lösungen arbeiten zu können. Ist dieser Prozess einmal in Gang gesetzt, ergibt sich einerseits nahezu automatisch die Vernetzung zwischen den unterschiedlichen Hubs des Unternehmens und andererseits erfolgt die Vernetzung mit relevanten Partnern außerhalb des eigenen Unternehmens.


Franz Bailom: Was sollten die ersten Schritte sein, die den einzelnen Abteilungen helfen könnten, sich dorthin zu entwickeln?


Katja Hutter: Mir erscheinen hier mehrere Bausteine als relevant:

  1. sich konsequent mit den Herausforderungen und Chancen der Zukunft beschäftigen Jede Abteilung und jedes Team sollte für sich auf Basis der definierten Unternehmenszielsetzungen bzw. der veränderten Rahmenbedingungen jene Themen definieren, für die es Probleme zu lösen und innovative Ansätze zu entwickeln gilt.

  2. ein Netzwerk von Ideenbringern, Experten und Partnern aufbauen Das Team sollte sich immer wieder überlegen, welche Kollegen, Kunden, Lieferanten, Partner etc. aufgrund ihres Wissens oder ihrer Erfahrungen spannende Ideengeber oder Partner im eigenen Hub sein könnten. Die Leistungsfähigkeit des eigenen Hubs nimmt mit der Qualität der Partner und deren Heterogenität stetig zu. Auf diese Weise kann jede Abteilung Schritt für Schritt das eigene Innovationsnetzwerk aufbauen, mit dem in der Folge immer wieder zusammengearbeitet werden kann.

  3. relevante Wissensquellen und Instrumente identifizieren Es gilt, für den jeweiligen Innovation Hub relevante Inspirations- und Wissensquellen zu identifizieren, die es den Mitgliedern jederzeit ermöglichen, auf neueste Informationen bezüglich relevanter Innovationen, Technologien und Start-ups zuzugreifen. Neben dem Wissen über die eigene Branche gilt es auch, Zugriff auf relevantes Know-how aus anderen Branchen zu haben. Denn das Lernen von anderen – neue Perspektiven durch Meinungsvielfalt – spielt eine viel größere Rolle, als viele Unternehmen bis heute glauben.

  4. Open Innovation und kollaborative, bereichsübergreifende Ideation institutionalisieren Open Innovation und Open Ideation sind bei Topunternehmen längst zu einem Teil des täglichen Arbeitens geworden. Im Unterschied zu der anfänglichen Phase, in der Unternehmen lediglich mit der Öffnung des klassischen Innovationsprozesses experimentiert haben, werden Open Innovation und Open Ideation heute bei vielen Unternehmen in allen Bereichen und von allen Teams zu den unterschiedlichsten Fragen eingesetzt. Ziel ist es, dadurch einfacher und schneller bessere Ideen und Lösungen zu entwickeln. Zudem können frühzeitig Trends identifiziert und eine erste Markteinschätzung und erstes Feedback gewonnen werden.


Franz Bailom: Können auch mittelständische Unternehmen davon profitieren?


Katja Hutter: Es ist unbestritten, dass bestes Wissen, unterschiedliche Sichtweisen und vielschichtige Erfahrungen wesentliche Ingredienzien für das Hervorbringen von bedeutenden Innovationen sind. Der Aufbau und die Vernetzung abteilungsspezifischer Innovation Hubs eröffnet allen Organisationen und Unternehmen, ob groß oder klein, die Chance, innovativer, schneller, agiler und vor allem erfolgreicher zu werden. Das ist also weniger eine Frage der Ressource oder Größe, sondern vielmehr eine des Mindsets. Und daher kann auch jedes mittelständische Unternehmen diesen Weg einschlagen. Im ersten Schritt besteht die zentrale Herausforderung allerdings darin, dass es das erklärte Ziel der Unternehmensleitung sein muss, jede Abteilung und jedes Team zu motivieren und zu befähigen, offen und vernetzt an neuen Lösungen zu arbeiten. Die Führungsetagen und das Management müssen diese Prozesse fördern und begünstigen und mit gutem Beispiel vorangehen.


Franz Bailom: Vielen Dank für die spannenden Ausführungen, Katja!

 

ÜBRIGENS: in-manas bietet neben einem umfassenden Innovationskompass mit Tausenden von Innovationen weitere praktische Tools wie Trendradare und Pinnwände zur kollaborativen Ideenentwicklung an. Wo genau? Im INNO-VERSE. Dort können Sie in wenigen Schritten leistungsstarke Innovations- und Strategiehubs aufbauen. Wenn Sie mehr über unser Innovationsuniversum erfahren möchten:


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