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Vielfalt und Inklusion als Gamechanger am Arbeitsmarkt

Aktualisiert: vor 4 Tagen


DEI-Bericht am Schreibtisch und bunte Scherenschnittmännchen als Symbol für Vielfalt

Walk the Talk: Wie berufliche Inklusion gelingen kann


innovia –  der Name der gemeinnützigen GmbH mit Sitz in Innsbruck ist Programm, denn er steht für neue und innovative Wege, die das Unternehmen laufend beschreitet, um Menschen mit Behinderung oder Migrationsbiografie faire Chancen am Arbeitsmarkt zu eröffnen. Mit zukunftsweisenden Projekten arbeitet innovia schon seit Jahren daran, eine inklusive Arbeitswelt zu schaffen, in der Vielfalt als Stärke und Bereicherung wahrgenommen wird.


Wir hatten Gelegenheit, mit Gerda Reiter zu sprechen. Gerda gehört zu den Mitarbeitenden der ersten Stunde und ist bei innovia unter anderem für den Bereich people & culture verantwortlich. Sie ist davon überzeugt, dass ein modernes Personalmanagement sich aktiv dafür einsetzen muss, Barrieren abzubauen und ein inklusives Arbeitsumfeld zu schaffen. Das beinhaltet die Anpassung von Arbeitsplätzen, Schulungen für Mitarbeitende und Führungskräfte sowie die gezielte Nutzung von Unterstützungsangeboten. Von ihr erfuhren wir, wie Vielfalt und Inklusion in Unternehmen gelebt werden kann.


Bild: Gerda Reiter | innovia
Gerda Reiter | innovia

IN-MANAS: Gerda, schön, dass du Zeit für unser Gespräch gefunden hast. Wir verfolgen ja schon seit geraumer Zeit die Initiativen und Projekte von innovia. Und was auffällt, ist die Tatsache, dass das Unternehmen nicht nur FÜR, sondern vielmehr gemeinsam MIT der Zielgruppe arbeitet. So sind bei euch in den unterschiedlichsten Projekten auch Menschen mit Behinderungen und Migrationsbiografie beschäftigt und treten dort als Expertinnen und Experten in eigener Sache auf.

GERDA: Ja, das ist richtig. Bei uns sind sehr viele Menschen beschäftigt, die zu der von uns adressierten Zielgruppe gehören, unter anderem auch meine Person und unsere Geschäftsführerin. Auch wir weisen einen Behinderungsgrad von über 50 Prozent auf, was für viele oft verwunderlich ist. Tatsache ist aber: Behinderung hat viele „Gesichter“ und nichts mit der individuellen Leistungsfähigkeit zu tun. Im Gegenteil! Wir bei innovia sind davon überzeugt, dass Vielfalt und unterschiedliche Perspektiven eine Organisation absolut bereichern. Jede einzelne Person bringt einzigartige Fähigkeiten und Talente mit, die dazu beitragen, dass wir als Team erfolgreich zusammenarbeiten und innovative Lösungen finden.


Wir sind davon überzeugt, dass persönliche Erfahrungen eine mächtige Ressource sind. Daher setzen wir Peers ein, wo immer es möglich ist. Wir gehen sogar so weit, unsere Kundinnen und Kunden nicht nur in die Weiterentwicklung unserer Angebote einzubinden, sondern auch in die Personalauswahl. Das klingt im ersten Moment vielleicht etwas ungewöhnlich, wir haben mit dieser Vorgehensweise aber sehr gute Erfahrungen gemacht. So können wir sicherstellen, dass beispielsweise jemand, der mit Jugendlichen arbeiten möchte, bei jungen Menschen auch entsprechend Anklang findet.


IN-MANAS: Euer Ziel ist es, Vorurteile abzubauen und ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass Inklusion nicht nur moralisch richtig ist, sondern auch wirtschaftlich sinnvoll.


GERDA: Ja, wenn von Behinderung die Rede ist, denken viele zuerst an Menschen im Rollstuhl. Behinderungen können aber, wie bereits erwähnt, vielfältig und oft nicht sichtbar sein. Und Tatsache ist auch: Viele Behinderungen werden erst im Laufe des Lebens erworben. Der hohe Anteil von Menschen mit Behinderungen in der Bevölkerung – rund 18 % – bietet Unternehmen die Möglichkeit, vielfältige Talente zu nutzen. In Zeiten des Arbeits- und Fachkräftemangels ist es für Unternehmen entscheidend, alle verfügbaren Ressourcen auszuschöpfen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Die Digitalisierung verstärkt diese Dynamik, da Menschen mit Behinderungen häufig über besondere Fähigkeiten im Umgang mit digitalen Technologien verfügen, die für moderne Unternehmen von großem Vorteil sind.


Wir möchten bewusst aufzeigen, dass eine inklusive Unternehmenskultur viele Vorteile bringt – sowohl für die Positionierung als attraktiver Arbeitgeber als auch, um neue Zielgruppen anzusprechen. Eine inklusive Unternehmenskultur schließt alle ein, unabhängig davon, ob es sich um Menschen mit Behinderungen oder Migrationshintergrund handelt, und auch unabhängig von sexueller Orientierung oder Religionszugehörigkeit. Es ist die Vielfalt an Talenten, die dazu beiträgt, innovative Lösungsansätze zu finden und den Unternehmenserfolg zu fördern.


IN-MANAS: Welche konkreten Angebote gibt es bei euch, sowohl für die Zielgruppe selbst als auch für Unternehmen?


GERDA: Bei innovia haben wir derzeit Angebote für ausgrenzungsgefährdete Jugendliche, für Working Poor und für Menschen mit Migrations- oder Fluchterfahrung. Für Menschen mit Behinderungen bieten wir Unterstützung beim Einstieg in die Arbeitswelt. Wir bieten auch Berufsorientierungs- und Qualifizierungsmaßnahmen ganz gezielt für Mädchen und junge Frauen an. Und mit den beiden Angeboten Job-Fit AS und Mittendrin AS haben wir einen Schwerpunkt für Menschen im Autismus-Spektrum, die einen besonders hohen Begleitbedarf haben. Wir unterstützen sie nicht nur dabei, einen Arbeitsplatz zu finden, sondern diesen auch nachhaltig zu halten. Unsere Mitarbeitenden übernehmen hierbei die Organisation des gesamten Arbeitsverhältnisses und kümmern sich um die Finanzierung des Arbeitsplatzes durch Förderungen für das Unternehmen.

 

Mein eigener Arbeitsschwerpunkt hat sich in den vergangenen Jahren immer mehr in Richtung Beratung von Unternehmen verlagert. Ich arbeite sehr gerne an der Schnittstelle zwischen Sozialbereich und Wirtschaft.


IN-MANAS: Das heißt, Betriebe könnten sich mit euch direkt in Verbindung setzen?


GERDA: Genau, für Unternehmen gibt es unser Betriebsservice als erste Anlaufstelle. Betriebe, die sich für die Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen und Einschränkungen engagieren möchten, können sich an uns wenden, egal ob es sich um Neueinstellungen, um bestehende Dienstverhältnisse oder um das Thema Ausbildung und Qualifizierung handelt. Unabhängig von Branche und Größe beraten wir Unternehmen zu allen wichtigen Aspekten der beruflichen Teilhabe und Inklusion am Arbeitsmarkt. Unser Ziel ist es, Unternehmen langfristig zu unterstützen und ihnen die Vorteile einer inklusiven Arbeitsumgebung aufzuzeigen. Dazu bieten wir verschiedene Dienstleistungen an, unter anderem


  • einen Inklusions-Check als Analyse-Tool,

  • Workshops zur Vorbereitung von Führungskräften und Mitarbeitenden auf das Thema Inklusion,

  • Unterstützung bei Fragen zu Förderungen, baulicher Barrierefreiheit und Arbeitsplatzgestaltung,

  • Hilfe bei der Entwicklung einer Kosten-Nutzen-Analyse für eine mögliche CSR-Strategie,

  • Begleitung im Matching-Prozess, um jobsuchende Menschen mit Behinderungen oder Einschränkungen erfolgreich in den Betrieb zu integrieren sowie

  • Beratung zur Erhaltung und Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit von Mitarbeitenden.


Für Unternehmen vielleicht wichtig zu wissen: Unsere Dienstleistungen sind für sie kostenfrei. Als zentraler Ansprechpartner vernetzen wir Betriebe bei Bedarf auch mit unserem landes- oder bundesweiten Netzwerk.


IN-MANAS: Abschließende Frage: Wie würdest du die Vision von innovia beschreiben?


GERDA: Die Vision von innovia ist klar: Wir streben eine gerechtere Welt an, in der alle Menschen die gleichen Chancen haben. Wir möchten Barrieren und Diskriminierung beseitigen, um es allen zu ermöglichen, ihr volles Potenzial zu entfalten und sich aktiv am gesellschaftlichen Leben zu beteiligen.


IN-MANAS: Vielen Dank für diese vielfältigen Einblicke in eure Arbeit bei innovia. Wir würden uns freuen, wenn wir uns beim nächsten Mal über deine neue Rolle als Vorstandsmitglied bei dabei Austria (Dachverband berufliche Integration Austria) und den damit verbundenen Themen austauschen könnten.


GERDA: Sehr gerne.




PS: Wer Lust auf mehr Themen rund um Personal- und Organisationsentwicklung hat: Im Inno Hub for People & Culture gibt es „unendlich viel“ Diskussions- & Innovationsraum für wichtige Themen wie diese, samt Tausenden Innovationsbeispielen, zahlreichen Interviews, Tools und Special Contents als Inspirationsquelle, um darauf aufbauend an Lösungen zu arbeiten.


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